Sighard Gille malt weiter

Rüdiger Steinhardt

Sighard Gille einmal genauer zu betrachten, hatten wir uns bei DOKUNST schon länger vorgenommen. Wir wussten um seinen Platz in der Geschichte der Leipziger Malerei, um seine Jahre als Lehrer und um das Gewandhaus. Aber erst bei der Eröffnung von ZeitBilder am 11. April in der Elbland Kunsthalle Riesa wurde aus diesem Vorhaben eine dringende Frage. Vor uns hingen Arbeiten aus verschiedenen Jahrzehnten. Ich ging von Bild zu Bild, erkannte Verbindungen und verlor sie wieder. Wie hatte dieser Maler die Veränderungen seiner Stadt und seiner eigenen Arbeit erlebt? Was davon ließ sich überhaupt aus den Bildern lesen? Ich wollte mit ihm sprechen.

Später besuchten wir Gille in seinem Leipziger Atelier. Dort standen Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen, darunter Bilder, die noch nie ausgestellt worden waren. Gille ging langsam durch den Raum, blieb stehen, nahm etwas zur Hand und erzählte. Manches, was ich ihn fragen wollte, beantwortete er, bevor ich die Frage gestellt hatte. Im kurzen Video trägt er ein schweres Buch mit seinen Werken auf die Kamera zu. Diese kleine Bewegung sagt etwas über den Besuch: Im Atelier war nichts bloß Rückblick. Die Bilder waren da, frühere und neue, und Gille war mit ihnen beschäftigt.

Bis dahin hatten wir unseren Text vor allem um seine historische Bedeutung gebaut. Der Besuch machte diese Fassung unzureichend. Wer Gille nur als Denkmal der Leipziger Malerei beschreibt, übersieht den Maler, der heute noch vor der Leinwand steht, mit Farbe ringt und sich auf ein Bild einlässt, dessen Ausgang er nicht schon kennt. Von dieser Einsicht aus haben wir den Artikel neu geschrieben. Heute erscheint er in DOKUNST DOSSIERS. Galeristin Kerstin Herrlich danken wir herzlich dafür, dass sie unsere Begegnungen mit Sighard Gille möglich gemacht hat.

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